SchundSchicksal – Kunstinstallation im Rahmen der Kulturtage 2017 des Landkreises Landsberg im Rochlhaus in Thaining

 

Während der Landsberger Kreiskulturtage 2017 ist die Kunstinstallation "SchundSchicksal" von Eva Zenetti im Rochlhaus in Thaining zu Gast. Die Künstlerin hat ein vorgefundenes Buch radikal so gekürzt, dass dabei neue Texte entstanden sind. Dabei führt das Buch an alle Orte in Bayern, an denen sie selbst je gelebt hat. So wird die Arbeit am Text zugleich zu einer Auseinandersetzung mit dem "daheim sein". Nun wird das Projekt nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Dem Kunstprojekt zugrunde liegt ein Buch mit den Tagebucheinträgen eines Kunsthistorikers aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schildert dort seine Reisen zu Deutschlands Schlössern und kleinen Adelssitzen, zu Klöstern und Burgen. Zufällig hat er auch all jene Orte bereist, an denen Eva Zenetti selbst gelebt hat. Bei der Künstlerin bewirkten die vertrauten Ortsnamen eine Art Identifikation mit dem Buch sowie ein irrationales Gefühl der Nähe zu dessen Verfasser. Kurzerhand strich sie seinen Namen zusammen und machte ihn zu „Ave“, ihrem männlichen Alter Ego.

Seit 2016 ist sie nun dabei, das Buch zu kürzen, indem sie Buchstaben, Wörter und manchmal ganze Sätze wegstreicht. So entstehen neue Texte, die in einer poetischen und bildhaften Sprache die Stationen von Aves fiktiver Lebensreise heraufbeschwören. Wie durch den Schleier der Erinnerung erscheinen die ehemaligen Wohnorte nun als mystische Orte, eher im Traum als in der Wirklichkeit angesiedelt. Darin spiegelt sich der Akt des Erinnerns selbst: Gedanken und Gefühle tauchen als Bruchstücke im Bewusstsein auf und verschwinden wieder. Die Erinnerungen verändern sich zudem über die Jahre, sodass das erinnerte ehemalige Zuhause ein anderes ist als das, das man ursprünglich erfahren hat.

 

Mit dem Rochlhaus ist ein Veranstaltungsort gefunden, der als ehemaliges Bauernhaus Zeugnis gibt von der – nunmehr vergangenen – Lebenswirklichkeit breiter Bevölkerungsschichten in der Region. Es stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert, so wie viele im Buch geschilderten Bauwerke. Doch der ursprüngliche Text handelt fast ausschließlich von prunkvollen Adelssitzen und Kirchengebäuden. Eva Zenettis Arbeit schlägt nun eine Brücke zwischen diesen Lebenswelten, indem sie durch ihre Kürzungen manche salbungsvolle Formulierung ins Alltägliche zieht und verschlüsselt mit ihrem – so garnicht blaublütigen – Leben verwebt.

In der Installation im Rochlhaus werden diese neuen Texte nun erfahrbar: Raumgestaltende Elemente und vergrößerte Textauszüge verschmelzen zu einem Traum ähnlichen Bild, in dem Erinnerung und Gegenwart präsent sind.

Veranstalter: Förderverein Rochlhaus Thaining e.V.

 

Rochlhaus | Grasweg 20 | 86943 Thaining